Region: Mittelrhein
Die Idee zum Bau der Marktkirche wurde aus der Not heraus geboren. Zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Neuwied zwei getrennte protestantische Gemeinden, zum einen die Lutheraner und zum andern die Reformierten. 1876 brannte die alte lutherische Kirche in der Friedrichsstraße ab und konnte von der Gemeinde nicht mehr genutzt werden. Ähnlich erging es den Reformierten. Sie besaßen zwar eine Kirche am Marktplatz, die jedoch viel zu klein und obendrein baufällig war. So entschlossen sich beide Gruppen sich zu einer evangelischen Kirchengemeinde zusammenzuschließen. Die alte Marktkirche wurde 1880 abgerissen und in den Jahren 1881 bis 1884 als neugotische Hallenkirche neu aufgebaut.
In den ersten einhundert Jahren seines Bestehens hat das Gotteshaus sehr gelitten. Bereits im Ersten Weltkrieg verlor es sein bronzenes Glockengeläut, das jährlich wiederkehrende Hochwasser verursachte permanent neue Schäden und im zweiten Weltkrieg wurde es Opfer alliierter Bombenangriffe. Das Hochwasser konnte zum Ende der 20er Jahre des Zwanzigsten Jahrhunderts durch den Deichbau zurückgehalten werden. Die Schäden des Zweiten Weltkrieges verschwanden erst 1958 nach einer gründlichen Renovierung. Dabei wurde aller Zierrat aus der Kirche entfernt. Erst nach der letzten Innenrenovierung von 1990 präsentiert sich die Marktkirche wieder im alten Glanz und der fröhlichen Farbigkeit von 1884.
Auch der Marktplatz vor der Kirche hat wieder zu seinem traditionellen Leben zurückgefunden. Zweimal wöchentlich findet hier der Wochenmarkt statt. Dabei werden vor allem frisches Obst, Gemüse, Blumen sowie Fisch, Käse, Fleisch und Wurstwaren angeboten. Als schöne Zierde ließ die Stadtverwaltung die Statue einer Marktfrau auf dem Platz aufstellen.
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