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Burg Reichenberg

Wie so oft in der Geschichte des späten Mittelalters war es Balduin, der mächtige Erzbischof von Trier, der Anlass gab zum Bau der Burg Reichenberg. Im Jahr 1319 erlaubte er seinem Lehensmann im Taunus, Graf Wilhelm I. von Katzenelnbogen, den Bau einer Burg. Dem Grafen waren die Dörfer Offenthal, St. Goarshausen, Bornich und Patersberg als Lehen anvertraut worden. Um seine schutzbefohlenen Untertanen wirksam verteidigen zu können, erfolgte umgehend der Burgbau, der sich allerdings Jahrzehnte hinzog.

Damals entstand zu Füßen der auf dem Hügel gelegenen Baustelle auch das kleine Örtchen Reichenberg. Der wohlklingende Ortsname machte sich zu dieser Zeit jedoch keine Ehre. Die Entwicklung von Burg und Dorf ging so schleppend voran, dass man bald nur noch von Armenberg anstatt von Reichenberg sprach. Noch 1352 teilten sich die Söhne des Grafen Wilhelm I. eine unvollendete Burgwohnung. Dem rechtmäßigen Erben Wilhelm II. war nach seinem Amtsantritt zunächst daran gelegen, seine väterliche Stammburg in Katzenelnbogen zu erneuern. Dann machte er sich daran, auch Reichenberg zu vollenden. Nun stand die stolze Burg in vollem Glanz. Alte Chroniken berichten noch von dem "Wunderbar Gebeu", was dieser Tatsache zusätzliche Beweiskraft verleiht. 1385 starb Wilhelm II. kinderlos und sein Bruder Eberhard führte das prachtvolle Erbe weiter. Als katzenelnbogische Außenstelle blieb Burg Reichenberg bis 1479 Amtssitz, dann starb das Katzenelnbogener Grafengeschlecht aus, weil auch Eberhard kein Nachwuchs beschert war. Ab da geriet die Burg in hessischen Besitz unter die Obhut der beiden Landgrafen von Darmstadt und Kassel. Während des 30-jährigen Krieges vertraten die Herren beider Städte unterschiedliche religiöse Auffassungen, sodass es zu einem vernichtenden Bruderkrieg kam. In dessen Folge kam auch Reichenberg zwischen die Fronten. Kaiserliche Truppen eroberten 1647 nach einer verlustreichen Belagerung die Burg. Die Eroberung war nicht nur an Menschenopfern gemessen verlustreich, sondern auch für Reichenberg. In seinem berühmten Tagebuch klagt der Chronist, Pfarrer Plebanus: "Reichenberg liegt ganz wüst, nicht mehr ein Mensch darinnen, die Mauern eingerissen und verbrannt".

Die Wunden heilten erst wieder mit der Instandsetzung von Dorf und Burg in den Jahren 1649 bis 1651. Bis 1816 blieb sie nun Verwaltungsmittelpunkt eines hessischen Oberamtes, wo vor allen Dingen die Naturalabgaben der Bevölkerung eingezogen und eingelagert wurden. Die Burg wurde aber nicht mehr sonderlich gepflegt, sodass sich die Domänenverwaltung des Herzogtums Nassau 1818 entschloss, sie zu verkaufen. Zum großen Glück für die Nachwelt kaufte die Ruine der reiche Burgenliebhaber und Archivar Habel, ein Mann, der so manche Burg im Rheinland mit seinen finanziellen Mitteln gerettet hat. Heute befindet sich die Burg in privatem Besitz und ist nicht zugänglich, für Burgenliebhaber aber trotzdem eine Augenweide.

Zu dieser Sehenswürdigkeit bieten wir Ihnen unter Tourenvorschläge die Loreley-Burgen-Straße und den Loreley-Aar-Radweg an.

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